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Klaus Lehmann mit dem Mountain-Bike durch Australien

Klaus Lehmann, 26, ist eigentlich Elektriker und kein Radprofi. Er brach Ende August 1988 zu einer Radtour auf, die ihn durch Südeuropa, Asien, Australien und Neuseeland führte. Er kam im März 1990 auf demselben Fahrrad in Süßen an.

Diesen Brief schickte er an das Team:

Zuerst habe ich noch etwas Seitenwind, doch 90 km vor Port Augusta erwischt mich der Gegenwind. Nun muss ich natürlich für die Coober Pedy nach Port Augusta in 4 Tagen (544 Km) bezahlen. Der Wind ist kalt und ich muss die langen Hosen wieder anziehen. Noch schlapp vom gestrigen 170 km-Tag zähle ich jeden Kilometer. Zu kaufen gibt es wie Üblich nichts und meine Gedanken kreisen ständig um das idiotische Wort Zucker, während ich mich dazu zwinge nun alle 15 Km eine kurze Pause zu machen. Irgendwann spätnachmittags bin ich dann doch in Port. Augusta und grinse schon wieder, als ich der Kassiererin im Woolworth die leere Kuchenschachtel mit den Worten "was an emergency!" über den Tresen schiebe. Abends im Zelt dann das "große Fressen" bei Kerzenlicht. Euphorie und Stolz kommen auf, je länger ich auf die gerade Linie blicke, die Darwin im Norden und Port Augusta verbindet und den Namen Steward Highway trägt. Ich hab es geschafft. 3.927 Km liegen hinter mir und wie ein Film laufen nochmals viele Erlebnisse vor meinem geistigen Auge ab. Mitte Juni fahre ich aus Darwin heraus und hinein in einen neuen, den 5. Kontinent. Alle 5 Wasserflaschen sind gefüllt und mein Kurs führt in Richtung Süden auf dem Steward Highway. Nach 36 Km biege ich rechts ab, um auf dem Arnhem Highway in Richtung Kakadu Nationalpark zu radeln. Ich fahre und fahre und fahre und es kommt nichts als eine Tankstelle auf den 120 Km. Jetzt erst wird mir klar was los ist. All die Zahlenspiele gaben mir kaum einen Einblick, wie groß das Land ist. Da ist der heutige Tag weitaus beeindruckender. Am zweiten Tag dasselbe Spiel. Die Landschaft wechselt zwischen Flußläufen mit ihren angrenzenden Feuchtgebieten und Abschnitten mit trockenem Buschwerk und meterhohen Termitenhügeln. An Tieren sehe ich sehr viele Vögel und eine Schlange, die vor mir die Straße quert. Eindrucksvoll sind die Krokodil-Warnschilder an jedem größeren Wasserlauf. Nochmals bin ich schockiert über die großen Distanzen zwischen den Tankstellen - an Ortschaften ist hier gar nicht zu denken. Nur das Wissen, dass schon Andere vor mir den Kontinent durchradelt haben, löst die Beklemmung. Jeepfahrer erzählen mir von einer Gravelroad, die aus dem Kakadu-Nationalpark herausführt. Diese Schotterpiste wäre eine Variante, um wieder auf den Steward Highway zurückzukommen. Bleiben die Fragen, ob diese Piste mit einem vollbeladenen Mountain-Bike zu machen ist und wie ich durch die Furt des South Alligator Rivers komme, ohne gefressen zu werden. Na dann mal los! Der Anfang ist recht einfach, aber dann wird die Straße übel. Wellblechpisten wechseln sich mit tiefen Sand- und Kieseinlagen ab. Ich fahre ganz außen und wechsle oft die Fahrbahnseiten. Gegen den Staub der "vorbeifliegenden" Jeeps schützt ein Tuch, das ich in John-Wayne-Manier vorgebunden habe. Ich träume davon, dass ein Stationwagen hält und mich fragt, ob ich verladen möchte. Dann kommt ein Kastenwagen, den ich schon kenne. Er ist praktisch leer. How's going mate?, fragt der Fahrer und wir unterhalten uns während des Fahrens über die "bloody" road. Er führt weiter und wie ich die Rücklichter sehe frage ich mich, warum ich nun nicht verladen habe. Zu stolz? Mittags wird die Piste besser und ich beginne, die 4-WD's nachzuahmen. Die fahren nämlich mit 60-70 km/h, um so über jedes 2. Loch zu fliegen. Macht Spaü, das MTB über den Gravel zu jagen. Dann komme ich zur South-Alligator Crossing. Tafeln stehen an der Durchfahrt und warnen vor einem Aufenthalt im Uferbereich, Verrückte Radfahrer, die zu Fuß durch wollen, werden erst gar nicht erwähnt. Ich habe Glück da die Furt gerade mit Schotter ausgebessert wird und so schiebe ich das MTB am LKW vorbei, der mitten im Fluss steht. Das Wasser ist angenehm kühl und geht mir bis an die Knie. Allerdings verzichte ich auf ein Bad und schaue, dass ich durchkomme. Am Abend schiebe ich das Bike nochmals für 4 Km durch tiefen Sand. Ein Ranger beschreibt mir einen guten Lagerplatz an einem Flüßchen mit Trinkwasserqualitüt. Ich genieße ein Bad und koche. An der Kette finde ich keinen Tropfen Öl mehr, sie ist im wahrsten Sinne des Wortes sandgestrahlt. Mal wieder halbverhungert treffe ich in Kathrine ein, der ersten größeren Ansiedlung seit Darwin. Dort befällt mich eine Supermarktneurose, eine Krankheit, die ich erst wieder im zivilisierten Süden Australiens loswerden sollte. Das Krankheitssymptom ist eine übermäßige Faszination, die von dem unendlich scheinenden Angebot der, bis zur Decke reichenden, Hochregale ausgeht. Praktisch wird mir klar, was die früheren Siedler empfunden haben, wenn sie einmal im halben Jahr von ihren entlegenen Farmen zum nächsten Drugstore ritten. Mittlerweile habe ich dazugelernt und proviantiere für sieben Tage auf. Wasser gibt es wenigstens einmal am Tag, entweder an einer Tankstelle, oder aus einem der Zementwassersilos, die öfters auf den Rastplützen stehen. Oft schlage ich das Zelt auch in der Nähe solcher Rastplätze auf, wobei ich natürlich aufpasse, nicht in der Nähe der vielsagenden Tempotaschentücher zu campen.

Mittlerweile stöhrt es mich nicht mehr, dass ich nur alle 6 - 7 Tage dusche. Das Wasser ist hier draußen einfach zu kostbar für eine "Gesamtwäsche". Ich schlafe auf meinen Regenklamotten, da ich zur Zeit keine Isomatte besitze und lausche Tag und Nacht dem Pulsschlag des Highways. Ich habe ein Gefühl der absoluten Freiheit und es kommt mir so vor, als wenn dieses Asphaltband niemals mehr enden wird. Ich bin mittlerweile zum "swagman" geworden, wie die Australier die Vagabunden und Saisonarbeiter in den alten Zeiten der Besiedlungen nannten. Der "swag" ist eine Schlafrolle, die aus einem Biwaksack bestand, in dem eine Matte und eine Decke zusammengerollt waren. Mit dieser Rolle und seinem "billy", dem runden, hohen Kochtopf, tippelten die swagmen während der Schursaison zwischen den Schaffarmen oder arbeiteten auf den Plantagen im Norden. Auch die heimliche Nationalhymne "Walzing Mathilda" beschreibt so einen "swagman", der am Feuer wartet, bis sein "billy" kocht. Ich liebe diese Abende, wenn ich irgendwo vom Highway fahre und mein Zelt auf der harten Erde aufstelle. überall stehen dürre Büume herum und so ist es einfach, ein schönes Feuer zu entfachen. Da es im Moment Winter ist, wird es schnell dunkel und so sitze ich unter einem endlosen Firmament und schaue hinauf zu der Milchstraüe, oder zum Kreuz des Südens. Getrunken wird der traditionelle, offene Schwarztee, den man mit dem Wasser aufkocht. Nachdem das Wasser 2-3 Minuten gekocht hat, bringen ein paar Schläge mit dem Löffel die Teeblätter zum Absinken. Zucker? - Soll doch sowieso nicht gesund sein. Das Gelände ist mittlerweile noch flacher geworden. Es ist, als ob man über den Boden einer gigantischen Bratpfanne führt. Die Straße macht zwei bis drei Kurven, bevor sie im Geflimmer der heißen Luft am Horizont verschwindet. Ich befinde mich im Rinderland. Ab und zu passiere ich sogenannte "Grids", das sind Gitterröste aus starken Eisenstangen, die quer zur Fahrbahn liegen. Recht und links stehen Viehzäune, die ebenfalls bis zum Horizont gehen. Einen Nachteil hat dies System allerdings: die Rinder können das Farmgebiet zwar nicht in nördliche oder südliche Richtung verlassen, aber sie können jederzeit auf die Fahrbahn, wo sie oft genug von den "Roadtrains" mit ihrem groüen Rammschutz getötet werden. Ein süßlicher Geruch liegt in der Luft und ich radle müglichst schnell an den aufgeblähten Kadavern vorbei. Das Gebüsch ist im Zentrum nur noch ca. 50 cm hoch, was mir bei dem täglichen Gegenwind natürlich keineswegs hilft. Oft wache ich morgens auf und höre die Zeltwand flattern. Na prima, denke ich an solchen Tagen und kaue missmutig mein, mit Trockenmilch angerührtes Müsli. Später sitze ich dann auf meinem Sattel und finde bei schmerzendem Gesäß auf Grund des büigen Windes keinen Rhythmus. An so einem Tag treffe ich etwa einen "Tagesritt" nürdlich von Alice Springs einen leibhaftigen swagman, der schon jahrelang mit Fahrrad und selbstgebautem Anhänger durch Australien pilgert. Sein "billy" steht natürlich auf dem Feuer und so gibt er dem "mate" (Kumpel) aus Germany natürlich sofort eine "cuppa" (austral. Tasse) voll Kaffee. Mit den Tassen in der Hand fluchen wir über den "fucking headwind` und belächeln die Wohnwagenbesitzer, die ab und zu stoppen. "Nur mit dem Velo bist Du wirklich frei" meint mein Kollege. "Thats freedom - you know?!". "Klar" sage ich, "das habe ich auch schon begriffen". 

Nachdem mich die Supermarktneurose wieder mal so richtig angefallen hat, verlasse ich Alice Springs mit 25 Kg Nahrung. Ich weiß natürlich, dass der nächste gute Supermarkt in Coober Pedy sein wird und nehme deshalb für ca. 14 Tage Proviant an Bord. "Soll ich nun, oder soll ich nicht?", ratlos stehe ich am Anfang der Growelroad, die nach Westen abzweigt. (1 1/2 Tagesetappen südlich von Alice Springs". Ein Wohnmobilfahrer rät mir davon ab, auf der Schotterpiste Richtung Kings Canyon und weiter zum Ayers Rock zu fahren. Dabei würde ich doch gern diesen Canyon sehen, der früher von einer Expedition auf dem Weg zur Westküste entdeckt wurde. Es ist die einzige Stelle im Umkreis von Meilen, wo es Oberflächenwasser in Form eines Flüßchens gibt. Ich warte, bis das Wohnmobil weg ist und biege in die Growelroad ein Zum Glück treffe ich Australier beim Picknick, die sich ebenfalls auf dem Weg zum Canyon befinden und mir einen guten Teil meines Proviants mitnehmen. "Erleichtert" fahre ich weiter zum Canyon und anschließend zum Ayers Rock, dem gigantischen Wahrzeichen Australiens. Mit 365m ragt dieser Monolith aus der sonst topfebenen Halbwüste auf und war einst ein wichtiger Kult- und Versammlungsort der Eingeborenen Australiens.
245 Gegenwindkilometer bringen mich vom Ayers Rock wieder zurück auf dem Steward Highway und es geschieht etwas, was ich nicht zu hoffen gewagt hatte. Der Wind dreht und ich habe bis Cooper Pedy meist Rückenwind. Andere Radier hatten mir bereits von diesem Phänomen berichtet und ich begreife bis heute nicht diese Änderung, da der Busch weiterhin genau gleich aussieht. Der Gott der Winde ist mir also wohlgesonnen und so "pfeife" ich mit Tagesetappen von bis zu 160 km nach Süden. Ein paar Tage stoppe ich in Coober Pedy wo 80% der Opalförderung herausgebuddelt wird. Die "Digger" leben unter der Erde, da es im Sommer zu heiß wird. Die Stadt hat erst seit kurzem eine Wasserpipeline und die wenigen Bäume sind von Menschenhand gepflanzt. Siebzig Kilometer dauert es, bis ich südlich von Coober Pedy den ersten vertrockneten Baum in einem ausgedürrten Bachbett sehe. Siebzig Kilometer, auf denen nichts wächst, als etwa 20 cm hohes Gras. Nicht mal das sonst allgegenwärtige Buschwerk ist zu sehen. Die, schon zu Anfang erwähnten 4 Tage bringen mich nach Port Augusta, wo ich einen Tag pausiere und das MTB warte. Dann geht es weiter, durch nunmehr saftige, grüne Wiesen und an Bächen vorbei, die klares Wasser führen. Meine Augen können sich nach 52 Tagen Halbwüste nicht satt sehen an all dem Grün. Allerdings fahre ich nun auch wieder hinein in die Zivilisation, die sich im Süden Australiens konzentriert und trotz der immer noch groüen Entfernungen zwischen den Städten, dem uns gewohnten Lebensraum gleicht. Die Halbwüste das sogenannte "Outback", verblasst zum unwirklichen Traum, zur Fata-Morgana.

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